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Das Bild zeigt Niklas Betken

Nachhaltigkeit bedeutet Verantwortung

Niklas Betken ist Spezialist für Strategieentwicklung und Nachhaltigkeit bei der Dortmunder Volksbank eG. Wir haben mit ihm über Nachhaltigkeit als Bestandteil der Geschäftsstrategie, ESG-Risiken und die Rolle von Banken als strategische Begleiter in Transformationsprozessen gesprochen.

Lieber Niklas, du verantwortest Nachhaltigkeit nicht primär aus Reporting-Sicht, sondern strategisch eher als Business Development. Wann wurde das Thema bei dir vom Pflichtprogramm zur echten Geschäftsstrategie?

Für mich wurde Nachhaltigkeit spätestens mit der Einführung unserer ersten Nachhaltigkeitsstrategie im Jahr 2022 zum echten Bestandteil der Geschäftsstrategie. Zwischenzeitlich hat die gesellschaftliche Wahrnehmung dem Thema zwar einen Dämpfer gegeben, doch seit einigen Monaten steigt die Relevanz wieder deutlich an – insbesondere, weil ESG-Risiken immer stärker in den Fokus rücken. Regulatorische Anforderungen wie MaRisk oder BRUBEG spielen dabei eine wesentliche Rolle. Gleichzeitig sehen wir anhand globaler Entwicklungen – wie aktuell den Iran-Krieg – wie schnell Nachhaltigkeitsrisiken real und wirtschaftlich spürbar werden.

Für mich steht fest: Es gibt keine sinnvolle Alternative zur nachhaltigen Transformation. Wir Banken müssen konsequent dranbleiben.

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„Für mich steht fest: Es gibt keine sinnvolle Alternative zur nachhaltigen Transformation.“

Welche neuen Geschäftsfelder oder Produktansätze sind aus deiner Nachhaltigkeitsstrategie konkret entstanden?

Eigene, ausschließlich ESG-spezifische Produkte legen wir momentan nicht auf. Mit unseren Förder-, Verbund- und Bankprodukten sind wir gut aufgestellt. Unser Schwerpunkt liegt darauf, Nachhaltigkeit gezielt in unsere Dienstleistungen einzubetten:

• Alle BaufinanzierungsberaterInnen werden zu ModernisierungsspezialistInnen weitergebildet

• Unsere FirmenkundenberaterInnen nutzen den Zukunftsdialog als strukturierte Beratungsgrundlage

• Ein hausinterner Arbeitskreis entwickelt neue Dienstleistungen und Produktansätze für steigende ESG-Risiken – mit Fokus darauf, unseren Mitgliedern praxisnahe Mehrwerte zu bieten.

Wie haben sich Nachhaltigkeit in Governance und Entscheidungsprozesse integriert? Ist sie heute Teil der Kreditvergabe oder Risikosteuerung?

ESG-Faktoren fließen bereits heute in ersten Schritten in Kreditprozesse und die Risikosteuerung ein. Ein häufiges Missverständnis lautet, ESG sei von wirtschaftlichen Aspekten getrennt zu betrachten. Das Gegenteil ist richtig: Jedes ESG-Risiko ist ein wirtschaftliches Risiko und sollte auch so bewertet werden. Physische Risiken wie Extremwetterereignisse oder transitorische Risiken durch neue Regulierung verändern zunehmend die Kreditrisikoprofile.

Der Weg ist klar: ESG muss in Ratingverfahren integriert werden und letztlich ins Pricing einfließen. Hier stehen wir noch am Anfang, auch weil Datenqualität und -verfügbarkeit aktuell die größte Hürde darstellen. Wir arbeiten daran, Datenquellen zu harmonisieren und digitale Tools zur ESG-Bewertung auszubauen.

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„Jedes ESG-Risiko ist ein wirtschaftliches Risiko und sollte auch so bewertet werden."

Wie überzeugst du intern – insbesondere Markt und Vertrieb: Nachhaltigkeit als Chancenfeld zu verstehen und nicht als regulatorische Belastung?

In der Kommunikation trenne ich Nachhaltigkeit nicht von wirtschaftlichen Aspekten. Nicht jeder ist ein „Überzeugungstäter“, der sich aus ethischen Gründen begeistert – aber wir alle verstehen Chancen, Zahlen und Ertragspotenziale. Deshalb zeigen wir regelmäßig auf, welche Möglichkeiten sich im Kreditvertrieb und Cross-Selling ergeben, wenn wir uns konsequent als TransformationsberaterInnen unserer Mitglieder positionieren. Viele vertriebliche Maßnahmen unterstützen gleichzeitig regulatorische Anforderungen – ein strategischer Doppelnutzen.

Es bleibt aber ehrlich zu sagen: Nicht jede Regulatorik lässt sich als Chance verkaufen.

Die EU Taxonomieverordnung ist ein Beispiel dafür. Dass sie derzeit schrittweise entschärft wird, zeigt, dass man regulatorisch nachjustieren musste.

Wo siehst du aktuell den größten Hebel für regionale Banken: Transformationsfinanzierung, Beratungskompetenz oder Kooperation mit der regionalen Wirtschaft?

Ich sehe die stärksten Effekte in einer Kombination aus Transformationsfinanzierung, Beratungskompetenz und regionaler Kooperation – mit einer leichten Gewichtung auf der Transformationsberatung inklusive der finanziellen Begleitung. Unsere Mitgliedsunternehmen – insbesondere aus dem Mittelstand – suchen weiterhin Orientierung in der Transformation. Die politische Volatilität erschwert diese Suche zusätzlich. Hier können wir als regionaler, glaubwürdiger Partner echten Mehrwert schaffen.

Zudem sind regionale Netzwerke essenziell: Banken können unterschiedliche Akteure an einen Tisch bringen, Expertise verbinden und so Transformationsprozesse in der Region aktiv mitgestalten. Wir sehen uns nicht nur als Kapitalgeber, sondern als strategischer Begleiter in Transformationsprozessen. Mich motiviert besonders, dass wir mit unserer Arbeit einen echten Beitrag für die Zukunftsfähigkeit unserer Region leisten können.

Wenn du auf die nächsten fünf Jahre blickst: Wird Nachhaltigkeit ein eigenes Geschäftsfeld bleiben oder vollständig im Kerngeschäft aufgehen?

Nachhaltigkeit wird sukzessive in allen Geschäftsfeldern aufgehen und ein selbstverständlicher Teil unserer Strukturen, Entscheidungen und Prozesse werden. In vielen Bereichen ist das heute schon erkennbar. Ob dieser Prozess in den nächsten fünf Jahren vollständig abgeschlossen sein wird, hängt von externen Faktoren ab – politische Entscheidungen, Extremwetterereignisse oder auch Sonderprüfungen. Klar ist aber: Ein eigenes Geschäftsfeld wird Nachhaltigkeit nicht sein – sofern es das überhaupt jemals war. Es handelt sich um mehr als einen Megatrend, vergleichbar mit der Digitalisierung und KI. Nachhaltigkeit lässt sich nicht als separates Thema führen, sondern muss mitgedacht werden – in jedem Beratungsansatz, jeder Kreditentscheidung, jedem Produkt, jeder Strategie.

Mir ist wichtig, dass wir als Bank nicht nur reagieren, sondern gestalten. Nachhaltigkeit bedeutet Verantwortung – für unsere Mitglieder, unsere Region und kommende Generationen.

Das Interview führte Katrin Schildhorn, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der VR Bank RheinAhrEifel.