Was wünschst du dir ganz persönlich, um ESG „handwerksfreundlicher" zu gestalten?
Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es ein echter Perspektivwechsel:
Erstens, weg vom Blick auf das, was Betriebe noch nicht dokumentieren – hin zu dem, was sie längst tun: Ein Bäcker, der seit 30 Jahren regionale Zutaten verwendet, eine Malerin, die seit Jahren auf schadstoffarme Farben setzt, ein Dachdecker, der Solarpanels montiert und Dächer dämmt – sie alle brauchen keine EU-Richtlinie, um nachhaltig zu sein. Diese brauchen schlicht Anerkennung dafür.
Zweitens, dass der Dialog mit kleinen und mittelständischen Unternehmen auf Augenhöhe stattfindet. Wenn der Handwerker gefragt wird: „Wie hoch sind Ihre Scope-3-Emissionen?", dann ist das Gespräch meistens schon vorbei, bevor es angefangen hat.
Und drittens wünsche ich mir mehr Mut zur Einfachheit: Der Zukunfts-Kompass Handwerk* zeigt, dass es geht – ein kostenfreies, verständliches Tool, mit dem Betriebe ihr Engagement sichtbar machen können, ohne dafür teure externe Berater engagieren zu müssen. Gerade weil Nachhaltigkeit durch Regulierung und KI immer stärker über Daten, Standards und automatisierte Abläufe gesteuert wird, brauchen Betriebe pragmatische Lösungen, die das Thema messbar und überprüfbar machen – statt es nur „gut zu meinen“. In diesem Zusammenhang ist es auch sinnvoll, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammenzudenken: Wer seine Prozesse digital steuert, hat ESG-Daten oftmals als Nebenprodukt. Deshalb gehören diese Themen auch zusammen.
Fakt ist: Das Handwerk ist der zentrale Umsetzer der Energiewende. Mit unserer Kampagne „#Klimahandwerk"*, die wir gemeinsam mit den rheinland-pfälzischen Handwerkskammern und dem Wirtschaftsministerium gestartet haben, machen wir genau das sichtbar. Hier erleben wir, dass sich junge Menschen ganz bewusst für einen Beruf entscheiden, mit dem sie aktiv Klimaschutz betreiben können. Wenn wir ESG handwerksfreundlich gestalten wollen, dann müssen wir genau diese Begeisterung nutzen – und nicht mit Bürokratie ersticken.
Am Ende des Tages geht es doch darum, dass Nachhaltigkeit im Handwerk nicht zur Papiertiger-Übung wird, sondern dort bleibt, wo sie hingehört: In der Werkstatt, auf der Baustelle, im direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort.
Das Interview führte Katrin Schildhorn, Nachhaltigkeitsmanagerin der VR Bank RheinAhrEifel eG.
Quellen:
Zukunfts-Kompass Handwerk: https://zukunfts-kompass-handwerk.de/
Nachhaltigkeitsckeck im Handwerk 360: https://www.hwk-koblenz.de/artikel/profitieren-sie-vom-kostenfreien-nachhaltigkeits-check-52,0,1479.html