Stärkung der Banken vor Ort
Dr. Imke Jacob wird ab dem 1. Juli 2026 Vorständin für Transaction Management,
Operations & Verwahrstelle und Payments & Accounts bei der DZ Bank.
Stärkung der Banken vor Ort
Dr. Imke Jacob wird ab dem 1. Juli 2026 Vorständin für Transaction Management,
Operations & Verwahrstelle und Payments & Accounts bei der DZ Bank.
Viele Mitarbeitende in den Volksbanken und Raiffeisenbanken haben täglich Berührungspunkte mit der DZ Bank, kennen aber ihre genaue Rolle im Hintergrund nicht immer. Was ist die DZ Bank eigentlich – und welche zentralen Aufgaben übernimmt sie für die genossenschaftlichen Institute?
Vorweg: Das partnerschaftliche Zusammenspiel ist der Kern unseres Erfolgs. Man kann die Rolle der DZ BANK am besten mit zwei zentralen Begriffen beschreiben: Wir sind als Verbundbank das Spitzeninstitut der Genossenschaftlichen FinanzGruppe und gleichzeitig eine Geschäftsbank.
Als Spitzeninstitut und Zentralbank für die rund 700 Volksbanken, Raiffeisenbanken, Spardas, PSDs und anderen Spezialinstituten in Deutschland, denen wir mehrheitlich gehören, haben wir eine klare Dienstleistungsfunktion. Unsere Aufgabe ist es, die Leistungsfähigkeit der eigenständigen Genossenschaftsbanken vor Ort zu stärken. Das tun wir, indem wir zum Beispiel den Liquiditätsausgleich im Verbund sicherstellen.
Gleichzeitig sind wir als Geschäftsbank auch ein Produktpartner. Wir entwickeln und stellen hochspezialisierte Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zur Verfügung, die eine einzelne Genossenschaftsbank allein nicht wirtschaftlich anbieten könnte – sei es im Firmenkundengeschäft, im Transaction Banking oder im Kapitalmarktgeschäft. Und die bieten wir dann auch unseren eigenen Direktkunden an.
Einfach gesagt: Wir bündeln Kräfte und Kompetenzen, damit die Primärinstitute ihren Mitgliedern und Kunden vor Ort das bestmögliche Angebot machen können. Dabei arbeiten wir nach den Prinzipien der Subsidiarität und Dezentralität – immer als Partner, nie als Konkurrent.
Transaction Banking wirkt auf den ersten Blick sehr technisch und effizient. Wie würden Sie Ihre Aufgabe jemandem erklären, der mit Banken sonst kaum Berührungspunkte hat?
Ich vergleiche das Transaction Banking gerne mit dem zentralen Nervensystem oder dem Blutkreislauf der Wirtschaft. Die meisten Menschen sehen es nicht, aber ohne es würde nichts funktionieren. Jeden Tag werden unzählige Transaktionen getätigt: Eine Person überweist Miete oder benutzt eine Karte beim Einkaufen, ein Unternehmen bezahlt seine Lieferanten, ein anderes exportiert Waren ins Ausland, oder Gehälter werden an Mitarbeitende überwiesen. Unsere Aufgabe im Transaction Banking ist es, sicherzustellen, dass all diese Geldflüsse sicher, schnell und effizient abgewickelt werden. Wir stellen sozusagen die Infrastruktur – die 'finanziellen Rohrleitungen' – bereit, damit das Geld genau dorthin fließt, wo es gebraucht wird, und zwar zur richtigen Zeit. Am Kunden sichtbar sind wir die Karten, Terminals und als Funktion in bspw. der Banking App.
Das gilt für jegliche Art der Transaktion, also neben dem reinen Zahlungsverkehr auch für das Thema Wertpapierdienstleistungen.
Wie wird sich das Transaction Banking in den nächsten Jahren verändern – insbesondere vor dem Hintergrund von Digitalisierung, KI, neuen Zahlungsformen und steigenden Kundenanforderungen?
Das Transaction Banking befindet sich in einer der spannendsten Phasen seiner Geschichte. Wir sehen mehrere Megatrends, die unsere Branche fundamental verändern. Und das hat gerade erst gestartet. Die Geschwindigkeit wird schneller, die Komplexität höher.
Die größte Veränderung ist jedoch die Erwartungshaltung der Kunden. Es reicht nicht mehr, nur zufriedenstellende Dienstleistungen zu erbringen. Wir müssen Mehrwerte liefern. Gefragt sind proaktive Beratung, datengestützte Einblicke und eine absolute technologische Widerstandsfähigkeit. Unsere Aufgabe ist es, von einem reinen Dienstleister zu einem strategischen Partner zu werden, der den Wandel für unsere Kunden aktiv mitgestaltet.
Was hat Ihnen auf Ihrem Weg in den Vorstand am meisten geholfen – Fachwissen, Mentoren, Durchhaltevermögen oder etwas ganz anderes?
Ich glaube nicht, dass es der eine, einzelne Faktor war. Vielmehr war es eine Kombination aus mehreren Elementen, die ineinandergegriffen haben.
Für mich, über allem, steht die Leidenschaft, mit der man Dinge tut. Dann performt man nicht nur besser, sondern man kann sich zu einem inspirierenden Leader entwickeln, der die Mitarbeitenden mitnimmt.
Last but not least - ein kleines Quäntchen Glück gehört dazu.
Gab es Phasen, in denen Sie gezweifelt haben oder das Gefühl hatten, sich stärker beweisen zu müssen – gerade als Frau im Finanzwesen? Und wie sind Sie damit umgegangen?
Selbstzweifel sind menschlich, und wer behauptet, sie nie zu haben, ist vielleicht nicht ehrlich zu sich selbst. Natürlich gab es Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist oder ob ich einer Aufgabe gewachsen bin. Und natürlich hat man - berechtigt oder nicht berechtigt - manchmal das Gefühl sich extra beweisen zu müssen. Das war bei mir nie eine Geschlechterfrage.
Mein Umgang damit hatte zwei Seiten: Nach innen habe ich mir bewusst gemacht, was ich kann und was ich bereits erreicht habe. Das stärkt das Selbstvertrauen. Nach außen habe ich mich konsequent auf meine Leistung und meine Sachargumente konzentriert. Kompetenz ist letztlich das überzeugendste Argument. Sehr geholfen hat mir dabei auch der Austausch mit anderen Frauen in Führungspositionen. Dieses Netzwerk bietet nicht nur Unterstützung, sondern zeigt auch, dass man mit diesen Herausforderungen nicht allein ist. Es geht nicht darum, sich als Frau zu 'beweisen', sondern als kompetente Führungskraft zu überzeugen.
Unabhängig davon kann ich auch hier nur empfehlen, die Chancen zu sehen. Wenn man bspw. die einzige Frau im Raum ist, wird einem direkt mehr zugehört.
Das Interview führte Katrin Schildhorn, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der VR Bank RheinAhrEifel eG.