1. Liebe Lea, worum geht es genau beim Begriff Nachhaltigkeitsmanagement im Finanzsektor und wie sieht deine Arbeit als Senior Consultant aus?
Nachhaltigkeitsmanagement im Finanzsektor bedeutet im Kern, ökologische und soziale Aspekte systematisch in Entscheidungen, Prozesse und Produkte von Geno-Banken zu integrieren. Dabei geht es nicht nur darum, Nachhaltigkeit „mitzudenken“, sondern regulatorische Anforderungen, Risikobetrachtungen und strategische Ziele miteinander zu verzahnen. Besonders im Finanzsektor spielt Nachhaltigkeit eine doppelte Rolle: Einerseits müssen Banken selbst nachhaltig agieren, andererseits sollen sie über Kredit- und Investitionsentscheidungen steuern, welche wirtschaftlichen Aktivitäten gefördert werden.
Meine aktuelle Arbeit ist weniger klassische Beratung und deutlich stärker prüferisch geprägt. Das heißt, ich analysiere, ob Banken die relevanten Nachhaltigkeitsanforderungen korrekt und vollständig umsetzen, ob interne Prozesse funktionieren und ob regulatorische Vorgaben eingehalten werden. Gleichzeitig unterstütze ich – wo es sinnvoll ist – dabei, die komplexe und sich ständig verändernde Regulatorik zu verstehen. Ein besonderer Fokus liegt darauf, die Vielzahl neuer Vorschriften (z. B. beim Reporting durch CSRD, ESG-Risiken, Offenlegungspflichten) in einen klaren Kontext zu setzen und deren praktische Bedeutung für Banken zu übersetzen.
2. Warum müssen sich Banken (und Unternehmen) mit Nachhaltigkeitsmanagement beschäftigen? Ist das nicht Aufgabe der Politik?
Banken müssen sich heute intensiv mit Nachhaltigkeitsmanagement beschäftigen, weil es längst nicht mehr nur ein politisches Thema ist. Die Politik setzt über Regulierung den Rahmen – aber umgesetzt wird die Transformation in der realen Wirtschaft, und dafür spielen Banken eine zentrale Rolle. Sie steuern über ihre Kredit- und Investitionsentscheidungen, wohin Kapital fließt, und haben damit einen enormen Hebel. Gleichzeitig geht es auch um klassisches Risikomanagement: Klimarisiken, Übergangsrisiken und Transparenzpflichten sind regulatorisch fest verankert – sei es in Gesetzen, wie CSRD, EU‑Taxonomie, SFDR oder eben auch spezifischen Vorgaben wie BRUBEG*. Ohne strukturiertes Nachhaltigkeitsmanagement könnten Institute diese Anforderungen gar nicht erfüllen. Am Ende ist es also ein Zusammenspiel: Die Politik gibt die Richtung vor, aber die Finanzwelt ist entscheidend dafür, dass die nötigen Veränderungen tatsächlich passieren.
3. Du bist gelernte Bankkauffrau und seit 2019 beim Genoverband. Erzähl uns doch mal von deinem Werdegang.
Ich habe meine berufliche Laufbahn mit einer klassischen Bankausbildung begonnen. Anschließend war ich in der Kundenberatung sowie in der Betriebsorganisation tätig. Parallel dazu absolvierte ich ein berufsbegleitendes Studium im Bereich Finance & Management.
Im Jahr 2019 wechselte ich zum Genoverband, wo ich zunächst die Ausbildung zur Verbandsprüferin durchlief. Im Anschluss daran war ich im Spezialistenteam Risikomanagement tätig, bevor ich in das Spezialistenteam Nachhaltigkeit wechselte.
2025 schloss ich dann noch den geprüften Sustainability Auditor (IDW) an.
4. Was sind deine Hauptaufgaben als Prüferin beim Genoverband? Was reizt dich an diesen Aufgaben?
In meiner aktuellen Rolle bin ich überwiegend in der Prüfung tätig, mit einem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeitsberichten nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK**) und zunehmend auch nach CSRD*. Meine Hauptaufgabe besteht darin zu beurteilen, ob Banken die gesetzlichen Vorgaben vollständig und korrekt erfüllen. Das heißt zum einen, dass ich prüfe, ob alle verpflichtenden Inhalte berichtet werden und die Offenlegung den regulatorischen Anforderungen entspricht. Zum anderen geht es um die Verlässlichkeit der Informationen selbst: Ich schaue mir an, ob die gemachten Angaben korrekt sind und ob die Prozesse zur Datenerhebung und -aufbereitung wirksam und angemessen ausgestaltet sind.
Neben der Nachhaltigkeitsberichterstattung übernehme ich auch Prüfungen im Bereich Risikomanagement oder unterstütze die Interne Revision, beispielsweise wenn es darum geht, ESG-Risiken in bestehende Steuerungsprozesse einzubinden und deren Umsetzung zu bewerten. Insgesamt liegt der Fokus meiner Arbeit also weniger in der klassischen Beratung und stärker auf der prüferischen Begleitung – mit dem Anspruch, Transparenz zu schaffen, regulatorische Anforderungen abzusichern und Institute dabei zu unterstützen, ihre Nachhaltigkeits- und Risikothemen solide und nachvollziehbar zu verankern.
Was mich an dieser Arbeit besonders reizt, ist die enorme Vielfalt. Ich arbeite ständig mit unterschiedlichen Banken, Teams und Menschen zusammen — und jede Prüfung bringt neue Herausforderungen und Fragestellungen mit sich. Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit ein Thema, das sich unglaublich dynamisch entwickelt. Natürlich wünschen sich alle manchmal etwas mehr Stabilität und Verlässlichkeit von der Politik; aber genau diese Bewegung macht das Thema für mich spannend. Es wird nie langweilig.
5. Warum hast du dich für den Verband als Arbeitgeber entschieden? Was unterscheidet deine Arbeit hier im Vergleich zur Tätigkeit (zum Beispiel in einer Revision) bei einem Finanzinstitut?
Ich habe mich für den Verband entschieden, weil er mir mit der Verbandsprüferausbildung eine hervorragende fachliche Grundlage geboten hat und gleichzeitig als Arbeitgeber sehr viele Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Besonders schätze ich die enorme Flexibilität, die wir im Arbeitsalltag haben – ob bei den Arbeitszeiten oder der Wahl zwischen Remote‑Arbeit und Präsenz. Dadurch lässt sich der oft anspruchsvolle Berufsalltag sehr gut mit privaten Verpflichtungen vereinbaren. Und was für mich ebenfalls ein großer Pluspunkt ist: Ich arbeite hier mit unglaublich vielen unterschiedlichen Menschen zusammen und bin ständig in neuen Projekten unterwegs. Diese Vielfalt macht meinen Arbeitsalltag besonders spannend und motivierend.
Im Vergleich zu einer Tätigkeit in der Internen Revision eines Finanzinstituts unterscheidet sich meine Arbeit vor allem dadurch, dass ich nicht für eine Bank arbeite, sondern immer wieder neue Banken sehe. Gleichzeitig habe ich hier eine besonders enge Schnittstelle zu neuen Regulierungen: Wir setzen uns frühzeitig und intensiv mit gesetzlichen Vorgaben auseinander, strukturieren sie für die Mitglieder und unterstützen sie bei der Einordnung und Anwendung. Dadurch bin ich sehr nah an regulatorischen Entwicklungen und kann ein Stück weit sogar mitgestalten – etwas, das in einem einzelnen Institut so nicht möglich wäre.
Das Interview führte Katrin Schildhorn, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der VR Bank RheinAhrEifel.
Quellen:
*Nachhaltigkeits-Gesetze
https://www.genoverband.de/newsroom/politische-news/klimavorgaben-fuer-kreditinstitute/
https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/SF/CSRD/CSRD_node.html
**DNK